Ort: Zürich, ZH · Datum: nach dem 29.07.2007 · Fall: Vermisstenfall mit starkem Verdacht auf ein Tötungsdelikt

ZH: Starker Verdacht auf ein Tötungsdelikt an der Prostituierten Angela Yanez Iza (20†)

Die Prostituierte Angela Yanez Iza (†20), Milieu-Name "Celine" war zusammen mit ihrem Verlobten und einer Bekannten nach Zürich gefahren, um dort als Prostituierte zu arbeiten. Am 29. Juli 2007 stieg sie gegen 3.30 Uhr am bekannten Strassenstrich am Sihlquai zu einem Unbekannten in ein Auto ein. Seitdem fehlt von ihr jede Spur. Eine Leiche wurde bisher nicht gefunden.

Abb. 01

Abb. 01: Angela Yanez Iza (†20), im Milieu als «Celine» bekannt

Grundsätzlich ist es in erster Linie ein Vermisstenfall. Die Polizei geht aber davon aus, dass Celine einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Daher behandle ich diesen Fall als Cold Case.

Die Tat

Am Sonntag, dem 29. Juli 2007 stieg Angela Y. nach 3:30 bis 3:45 Uhr Uhr auf dem Strassenstrich in Zürich, am Sihlquai 255 (Strassenrand) bei einem Freier ins Auto und wurde danach nicht mehr gesehen.

Ihr Freund sah sie am Samstagabend um 22:00 Uhr zum letzten Mal, als sie sich von einem Taxi vor dem Hotel abholen liess. Angela Y. ruft ihren Freund um 3:30 Uhr auf seinem Handy an und erklärt ihm, dass sie noch ein, zwei Freier annehmen würde, dann ins Hotel zurückkehren werde. Danach hört er nichts mehr von ihr. Während zweier Tage versucht der Freund auf eigene Faust etwas herauszufinden und erfährt von einer/einem Bekannten, dass sie noch auf einer Freier wartete. Nun meldet sich der Freund bei der Polizei und gibt eine Vermisstmeldung auf. Offenbar versuchte er dies schon vorher, wurde wohl aber abgewiesen, weil bei Erwachsenen 48 Stunden vergehen müssen, bis die Polizei überhaupt eine Vermisstmeldung aufnimmt. Dies wurde wohl im Jahr 2008 noch durchgezogen.

Heute ist man weiter. Natürlich kommt es nicht mehr auf diese 48 Stunden an, sondern auf die Situation. Während wohl schon damals bei Kindern sofort reagiert wurde, war man bei Erwachsenen strickt mit der Wartezeit. Heute wird darauf geschaut, ob sich die Person in einer hilflosen Situation befinden könnte (fehlende Medikamente, Demenz, u.a.). Zudem kommt es auf die Absichten der vermissten Person an: Nicht wahrgenommene Termine, nicht zu einer vereinbarten Zeit eingetroffen, ungewöhnliches Verhalten, u.a.

Wann der Freund zum ersten Mal versuchte, eine Vermisstmeldung aufzugeben, ist nicht bekannt.

alle Fälle ging mit der Wartezeit von 48 Stunden wertvolle Zeit verloren. Den die Situation liess auf ein ungewöhnliches Ereignis schliessen.

Das Opfer

Geboren wurde Angela Yanez Iza am 21. März 1987 in Bergisch Gladbach (DE). Damit besitzt sie die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihr letzter Wohnort war in D-51491 Overath, Oberauel 51. Es handelt sich um eine Vorortsgemeinde von Köln, wo Angela Yanez Iza der Prostitution nachging und den Namen «Celina» führte.

Abb. 02: Übersichtskarte Wohnort bei Köln

Abb. 03: ehemaliger Wohnort in D-51491 Overath, Oberauel 51

Wer auf die Idee kam, das «Revier» von Angela Yanez Iza von Köln nach Zürich zu verlegen, erfahren wir nicht. Sie fuhren zu dritt nach Zürich, es war noch eine Bekannte dabei. Sie nahmen sich ein bzw. zwei Hotelzimmer in der Stadt. Von da aus begab sich Celina mit dem Taxi an den bekannten Strassenstrich am Sihlquai.

Ein ehemaliger Klassenkamerad beschreibt sie als ruhig und zurückhaltend. Er hätte sich nicht vorstellen können, dass Celine in der Prostitution tätig ist.

Signalement

  • Schlank/zierlich
  • Schulterlanges Haar
  • Braune Augen
  • Spricht Hochdeutsch (Muttersprache) und Englisch (südamerikanischer Einfluss)

Kleidung und Accessoires am Tag des Verschwindens

  • Weisses Top mit Spaghetti-Trägern
  • Weißer Minirock (europäische Größe 32) aus dünnem Denim-Stoff
  • Beige Sommerjacke (europäische Größe 32) mit Gürtel
  • Rosa-beige Pantoletten mit High Heels, Größe 36 (Abb. 06)
  • Handtasche aus schwarzem Stoff (unmarkenlo): Grau-silbernes "DD"-Muster" mit Reißverschluss und schwarzem Stofffutter 2 ringförmige Griffe, Chrom/Leder (Abb. 7)

Vermutlicher Inhalt der Handtasche

  • Mobiltelefon, Samsung, SGH 600, schwarz (Abb. 8)
  • Deutscher Personalausweis
  • Führerschein
  • Rechteckiger Schlüsselring aus transparentem Kunststoff mit 2 KABA-8-Schlüsseln
  • Brieftasche
  • Toilettenartikel und Kosmetika
  • Bargeld
  • Zigaretten und Feuerzeug

Die Ermittlungen

Die Zeugenbefragungen brachten ein klares Bild der Nacht des Verschwindens von Celine.

Die Handydaten wurden zwar ausgewertet, brachten aber bezüglich des möglichen letzten Aufenthaltsortes keine Erkenntnisse (Aktenzeichen XY ungelöst...).

Aber ging es allein um Handy-Daten der Vermissten? In einem anderen Fall habe ich die Clusteranalyse vorgestellt, die es ermöglichen, die Handydaten in einem Umfeld von Funkantennen auszuwerten. Auch hier haben wir – aufgrund der Handydaten – genaue Standorte von Celine. Sie stieg in ein Auto, in dem drei Männer sassen. Ich denke, dass alle drei Männer ein Handy besassen. Somit wäre es doch vorstellbar, dass gefiltert werden kann, wie sich die drei Handy-Nummern im Cluster bewegten. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Handybesitzer nur «Wegwerf-Handys» benutzten. Dies wäre der erste Schritt. Dann soll der mutmassliche Mörder (ev. mit klarem Auftrag) als Freier das notwendige Vertrauen erschlichen haben, um sie dazu zu bringen, in das Auto zu steigen. Mutmasslich dürfte es aber keiner der drei Männer gewesen sein, die Celine zuvor aufforderten, ins Auto zu steigen. Diesen Mann hätte sie bestimmt wiedererkannt und wäre nicht eingestiegen. Er hätte Celine zum Einsteigen zwingen müssen, was wiederum hätte auffallen können.

Der Strassenstrich von Zürich im Jahr 2007

In einem Blogg wird von einer Person der Verdacht geäussert, dass Celina von Personen bedroht wurde, die in Zürich den Sihlquai-Strich kontrollierten. Sie hat sich den Anordnungen widersetzt und wurde deshalb beseitigt. Das ist die wahrscheinlichste Möglichkeit aufgrund der geschilderten Abläufe.

Es gibt sehr viel Medienmaterial, aber auch Studien zum Stassen-Strich am Sihlquai oder in der Schweiz allgemein.

Abb. 04: Abb. 04: Zu wenig Platz am Sihlquai: Jetzt wächst der ehemals längste Strassenstrich der Schweiz wieder. (Foto Thomas Burla)

Abb. 05: Abb. 05: Eindeutige Gesten: Am Strassenstrich Sihlquai schaffen Nacht für Nacht rund 60 Frauen an, vor allem Ungarinnen. Foto: Helmut Wachter

Zu dieser Zeit waren vor allem ungarische Menschenhändler mit äusserst brutalen Methoden am Werk. Dies wird anhand eines grossen Prozesses gegen das organisierte Verbrechen deutlich, in dem gut 14 Frauen gegen ihre Zuhälter aussagten. Es wurden hohe Strafen ausgesprochen. In einem gewissen Masse wirkte der Prozess: Die Gruppierungen verlegten ihre Tätigkeit in andere Kantone oder ins nahe Ausland.

Aufgezeigt wurde, dass sich Frauen zu wehren begannen und nicht mehr schweigen wollten. Dies hatte weitreichende Folgen für die Zuhälter. In einer grösseren Gerichtsprozess wurden Zuhälter zu teilweise langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Die grossangelegten Polizeiaktionen ab 2008 waren nicht zuletzt auch eine Folge des Verschwindens von Celine. Mit ihrem Verschwinden wurde eine Schwelle überschritten, die nicht mehr akzeptiert werden konnte. Der öffentliche Druck, die Frauen besser zu schützen, wurde zu gross, was zu begrüssen war.

Aktenzeichen XY ungelöst...

In der Sendung «Aktenzeichen XY ungelöst...» wurde ein nicht aussagekräftiges Filmchen gezeigt, danach wurden von Josef Bachmann (Kapo ZH) noch die Angaben zum Signalement durchgegeben und die Kleider Beschrieben, die sie in besagter Nacht trug. Zudem wurden auch Gegenstände vorgestellt, die Celine mitführte.

Gezeigte Gegenstände

Abb. 06: Schuhe

Abb. 07: Handtasche

Abb. 08: Handy, Marke Samsung

Hinweis: diesem Fall ist unklar, ob dieser im März 2025 an Blick als Cold Case gemeldet wurde. Es wäre nachvollziehbar, falls nicht gemeldet, da es sich in erster Linie um einen Vermisstenfall handelt. Daher habe ich bei meiner eigenen Recherche im Okt./Nov. 2025 in der Kantonskarte bei den ausstehenden Fällen ein Fragezeichen gesetzt.

Quellen

  • Kantonspolizei Zürich:Fahndungsaufrufe, auch "Aktenzeichen XY ungelöst..."
  • Google Maps: Abb. 02 und Abb. 03
  • Tagesanzeiger: Berichte vom 29.08.2010 und 2.09.2010
  • Screenshots Abb. 06 - Abb. 08: Screenshots aus der Sendung «Aktenzeichen XY ungelöst...» vom 20.02.2008

Hinweise geben: Wenn Sie Informationen zu diesem Fall haben, nutzen Sie bitte das

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