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Ort: Grüsch/Schiers, GR · Datum: 29.10.2003 · Fall: Tötungsdelikt
Abb. 01: Neuere Ansicht des Hauses in dem Ermek S. wohnte
Abb. 01: Übersicht Wohnort und Fundort des Opfers
Am Mittwochnachmittag, dem 29. Oktober 2003, wird die Kantonspolizei Graubünden von Bauarbeitern über den Fund einer toten Person an einer bestimmten Stelle informiert. Der Körper wurde von ihnen an einer Stelle gefunden, wo der Tiersbach in die Landquart mündet. Die Leiche lag im Wasser. Die Ermittler können die Identität des Toten rasch feststellen. Es handelt sich beim Toten um Ermek Spatayev (39†). Er war als Asylbewerber in die Schweiz eingereist und war an der Kauenstrasse 4 in Mels (SG) untergebracht.
Abb. 03: Fundort der Leiche
Fest steht, dass Ermek Spatayev (39†) Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist. Er wies an Kopf und Körper zahlreiche Verletzungen auf. Der Tod dürfte zwischen dem 25. und 28. Oktober 2003 eingetreten sein.
Art der Verletzungen (z. B. stumpfe Gewalt vs. Waffen, Beteiligung mehrerer Täter, „professionelles“ Vorgehen) sind in der Mitteilung nicht näher beschrieben – könnten aber für Hypothesen (z. B. gezielte Tötung / Folter vs. eskalierte Auseinandersetzung) zentral sein.
In meiner Rubrik Rechtsmedizin / Todeszeitpunkt lege ich dar, dass die gerichtsmedizinische Untersuchung sowie die ermittlungstechnischen Möglichkeiten durch das Verbringen einer Leiche im Wasser erheblich erschwert werden. Wesentliche Elemente wie Fremd-DNA-Spuren können meist nicht mehr sichergestellt werden. Eines scheint aber im konkreten Fall als wahrscheinlich: Für das Verbringen der Leiche an den Fundort kann wohl kaum ein Einzeltäter in Frage kommen. Es müsste also mindestens zwei Täter beteiligt gewesen sein. Wie auch von der Polizei impliziert wird, wurde die Leiche mit einem Auto an die Fundstelle transportiert.
Zuständig für die Ermittlungen ist der Kanton Graubünden, da der Ablageort der Leiche auf dessen Kantonsgebiet stattfand (Grüsch/Schiers). Grundsätzlich gilt in der Schweiz, dass jene Staatsanwaltschaft zuständig ist, auf deren Kantonsgebiet die Leiche gefunden wurde.
Klar festgestellt wurde nur, dass der Fundort der Leiche bzw. die nahe Umgebung nicht als Tatort infrage kommt. Ist der Fundort aber die ungefähre Ablagestelle? Wurde der Getötete wo anders in die Landquart geworfen und strandete an der Fundstelle? Ist dies bezüglich des Fundortes möglich? Klar schein, dass der Tersierbach zu wenig Wasser führt, als dass er weiter oben des Bachlaufes irgendwo in den Bach geworfen wurde und dann an die Fundstelle trieb. Die Frage nach den bisherigen weiteren Ermittlungsergebnissen ist schnell beantwortet. Es gibt keine. Hier wären weitere Details für eine Einschätzung wohl hilfreich. Allerdings impliziert die Frage der Polizei an allfällige Zeugen, dass es sich um den Ablageort handelt. Es wird nach verdächtigen Vorkommnissen rund um den Ablageort gefragt. Ich werde später darlegen, dass diese Frage zu kurz greift. Wohl handelt es sich um eine Umgebung, die bei Spaziergängern und Hundebesitzer beliebt scheint. Es gibt keine von den Ermittlungsbehörden bekannt gemachten Einzelheiten. Dies ist einigermassen seltsam. Von Interesse sind insbesondere im Zusammenhang mit dem Opfer das ungefähre Signalement, besonderen Merkmalen und die Bekleidung. Über Ermek Spatayev (39†) erfahren wir nichts, obwohl - wie nachfolgend ebenso aufgezeigt - das Opfer in seiner Heimat, wie in der Menschenrechtsszene kein Unbekannter war.
Was sich weiter aus den Informationen innerhalb des Zeugenaufrufes vermuten lässt: Ermek Spatayev (39†) war kein Opfer eines ausser Kontrolle geratenen Raubüberfalls oder einer Zufallstat. Er konnte rasch identifiziert werden, was darauf hindeutet, dass er Ausweispapiere auf sich trug, möglicherweise sogar seine Geldbörse. Zudem würde die Polizei wohl darüber informieren bzw. erwähnen, wenn er tatsächlich Opfer eines Raubüberfalls geworden wäre. Dies ist auch nicht plausibel, wenn man davon ausgeht, dass das Opfer nach dem Angriff an diesen Ort verbracht wurde. Ermek Spatayev (39†) besass wohl auch kaum etwas, das einen Raubmord mit einem solchen Aufwand als realistisch erscheinen lässt.Erstaunlich auch, dass nicht kommuniziert wurde, seit wann sich das Opfer in der Schweiz aufhielt. Die Nachfrage der Polizei über seine Aktivitäten beziehen sich gerade einmal auf die letzte Woche vor dem vermuteten Todesdatum. Vielmehr müsste doch die ganze Aufenthaltszeit in der Schweiz und seine Aktivitäten in dieser Zeit von Bedeutung sein. Muss man aber davon ausgehen, dass es sich bei Ermek Spatayev (39†) um ein gezieltes Opfer handelte, brauchte es einen erheblichen Auffand, ihn ausfindig zu machen. Dies deutet eher darauf hin, dass er sich schon eine eher längere Zeit in der Schweiz aufhielt.
Weiter ist anzumerken, dass Bauarbeiter die Leiche im Wasser liegend gefunden haben. Zu diesem Zeitpunkt war das Opfer schon ca. 4 bis 5 Tage tot. Interessant wäre, zu welchen Arbeiten sie aufgeboten wurden oder waren sie schon die Tage zuvor an diesem Ort tätig. Dies würde Aufschluss drüber geben, ob die Leiche erst in der Nacht vor den beginnenden Arbeiten abgelegt wurde, was wiederum bedeuten könnte, dass die Leiche sich vorher noch an einem anderen Ort befand.
Das Motiv für seine Ermordung ist sehr schwer einzuschätzen. Daher dürften die Ermittlungen auch bisher ins Leere gelaufen sein.
Zur Zeit laufen intensive Recherchen meinerseits zum Mordfall. Es ist aber zu früh, Ergebnisse hier zu präsentieren. Daher werde ich hier vorerst nur den Originaltext der Medienmitteilung der Staatsanwaltschaft Graubünden wiedergeben:
Schiers: Opfer eines Tötungsdelikts in der Landquart aufgefunden – Zeugenaufruf
31.10.2003
Am Mittwochnachmittag, 29. Oktober 2003, fanden Bauarbeiter zwischen Schiers und Grüsch, bei der Einmündung des Tersierbachs in die Landquart, einen im Wasser liegenden Leichnam. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, dass es sich beim Toten um Ermek S p a t a y e v, einen an der Kauenstrasse 4 in Mels/SG wohnhaften 39-jährigen Asylbewerber aus Russland, handelt. Aufgrund der in der Zwischenzeit durchgeführten gerichtsmedizinischen Untersuchungen steht fest, dass Ermek Spatayev Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist. Er wies an Kopf und Körper zahlreiche Verletzungen auf. Der Tod dürfte zwischen dem 25. und 28. Oktober 2003 eingetreten sein. Gemäss ersten Erkenntnissen sind Tat- und Fundort nicht identisch.
Im Zusammenhang mit der Abklärung dieses Tötungsdeliktes gelangt die Kantonspolizei Graubünden mit folgenden Fragen an die Bevölkerung:
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