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Ort: Stansstaad Nähe Harissbucht, NW · Datum: 21.09.2014 · Fall: Tötungsdelikt
Im Industriequartier Ibach, am Stadtrand von Luzern, war Emiliya Emilova (36†) am Samstagabend, dem 20. September 2014, wie üblich ihrem Gewerbe als Prostituierte nachgegangen. Zum letzten Mal wurde das Opfer von ihren Kolleginnen in der Nacht zum Sonntag, dem 21. September 2014 um 1:15 Uhr gesehen. Die nach dieser Zeit von ihren Kolleginnen versuchten Anrufe gingen alle ins Leere, dir begannen, sich Sorgen zu machen. Bereits um 2:20 Uhr derselben Nacht entschlossen sie sich, einer Patrouille der Luzerner Stadtpolizei Meldung zu machen und Emiliya Emilova (36†) als vermisst zu melden.
Abb. 01: Foto von Emiliya Emilova (36†)
Abb. 02: Detailansicht Reusseggstrasse / Industriequartier Ibach, Luzern
Für die Nacht vom 20. auf den 21.09.2014 liegen in den frei zugänglichen stündlichen Messdaten von MeteoSchweiz keine verwertbaren Einzelwerte für die Messstadion Oberägeri (AEG) vor. Dies wäre die aussagekräftigste Station für die Region Luzern. Die Datenbank von data.geo.admin.ch liefert leider keine stündlichen Daten für das besagte Wochenende. Das ist nicht ungewöhnlich. Die Station Altdorf (ALT) ist nicht ideal, weil diese Region in besagter Zeit oft durch Föhnwetterlagen beeinflusst ist, was für die Region Luzern nur bedingt beeinflussend wirkt.
Die stündlichen Messdaten der MeteoSchweiz-Station Altdorf (ALT) zeigen für den Zeitraum vom 20. bis 21. September 2014 eine überwiegend milde, trockene Wetterlage mit südlichen Windrichtungen und nur vereinzelten, schwachen Niederschlagsereignissen. Die gemessenen Parameter sind konsistent mit einer föhnnahen Großwetterlage. Für den Raum Luzern / Vierwaldstättersee / Stansstad lässt sich daraus ableiten, dass in der Nacht vom 20. auf den 21.09.2014 keine ausgeprägten Niederschläge und keine widrigen Witterungsverhältnisse zu erwarten waren.
Mangels direkter Messdaten aus der Region Luzern/Stansstad wurden zur Einordnung der Wetterlage die stündlichen Daten der MeteoSchweiz-Station Altdorf herangezogen.
Diese zeigen für die Nacht vom 20. auf den 21. September 2014 milde Temperaturen, überwiegend schwache Winde sowie keine Hinweise auf Starkniederschläge oder extreme Witterung. Insgesamt ergibt sich der Eindruck einer ruhigen, herbsttypischen Nacht, die mutmasslich unter Föhneinfluss stand.
Abb. 03: Areal Industriequartier Ibach, Luzern
Abb. 04: Fundort der Leiche, Nähe Harissenbucht, Höhe Fürigen
Abb. 05: Leichen-Fundort Emiliya Emilova (36†), (Bild: Kantonspolizei Nidwalden)
Abb. 06: Kartenübersicht «Letzter Aufenthaltsort» und «Leichenfundort»
Abb. 07: Eindruck Routen «schnellste» und «ohne Autobahn»
Gesichert ist, dass Emiliya Emilova (36†) in der Nacht zum 21. September 2014 gegen 1:15 Uhr zum letzten Mal lebend gesehen wurde. Sie soll in dieser Nacht mindestens einen Freier gehabt haben. Arbeitskolleginnen sagten jedoch aus, dass sie mehrere Freier bedient haben soll. Zum Zeitpunkt des Verschwindens soll sie in Begleitung eines unbekannten Mannes gewesen sein. Dabei war aufgefallen, dass sie sich händchenhaltend vom Strassenstrich entfernt haben sollen, was für Emiliya Emilova (36†) eher als ungewöhnlich wahrgenommen wurde. Unbekannt geblieben ist, ob es sich um einen Freier oder einen Bekannten bzw. Freund gehandelt haben soll.
Die Leiche wurde ohne Oberkleidung entdeckt. Hatte sich das Opfer vor der Tötung selbst entkleidet oder wurde dies vom Täter postmortal gemacht? Diese Fragen stellen sich, weil beim Opfer bzw. in der Umgebung des Fundortes der Leiche, keine persönlichen Gegenstände auffindbar waren. Auch später wurden nirgendwo persönliche Effekte aufgefunden, die mit dem Opfer in Verbindung gebracht werden konnten.
Sicher ist, dass das Opfer mit blossen Händen erwürgt wurde. Dies braucht eine gewisse Kraft, da sich das Opfer auch gewehrt haben dürfte.
Der Täter oder die Täterschaft verbrachte nach der Tat die Leiche mit einem Auto an die Stelle, an der das Opfer in den See geworfen wurde. Vermutlicher kurz nach der Tat, also bevor das Auto an der Stelle ankam, wurde eine Tragtasche mit Draht am Opfer befestigt. Möglich ist zwar, dass dies erst nach dem Ausladen erledigt wurde. Jedoch besteht ein erhöhtes Risiko entdeckt zu werden, da dies etwas länger dauert. Die Tasche musste noch mit Steinen gefüllt werden. Die Polizei geht zwar davon aus, dass sich die Gegenstände zufällig im Auto befanden. Dies muss aber nicht wirklich zutreffen und würde wohl eher für eine Zufalls- oder Affekttat sprechen. Zudem wäre dann eher von einem Täter auszugehen, der sich in der Region Luzern sehr gut auskannte. Das Nachtatverhalten widerspricht diesem Szenario aber erheblich, wie es im Folgenden noch auszuführen gilt.
Abb. 08: Einkaufstasche mit der die Leiche beschwert wurde, Bild: Kantonspolizei Nidwalden
Abb. 09: Grüner Gartendraht, mit der die Tasche an der Leiche befestigt wurde, Bild: Kantonspolizei Nidwalden
Ort, wo die Leiche in den See verbracht wurde, muss der Täterschaft in gewissem Masse bekannt gewesen sein. Man gelangt nur über eine schmale Strasse, die auch befahren werden darf, an den Ort. Zudem ist an der Stelle der See besonders tief. Das Opfer wurde ohne Oberbekleidung, Kleider, Effekte und mit Ballast in den See verbracht, was für ein bewusstes Vermeiden von Spuren hindeutet.
Allerdings hat der Täter oder haben die Täter nicht damit gerechnet, dass die Henkel der Tasche nicht halten. Wohl durch die Höhe verursachten Druck rissen die Henkel. So trieb die Leiche auf dem Wasser, anstatt zu versinken.
Von diesem Zeitpunkt kann über das weitre Geschehen nur gemutmasst werden und ist Gegenstand der Ermittlungen.
Emiliya Emilova (36†) wuchs in der Gemeinde Avren in der bulgarischen Provinz Varna auf, heiratete früh und brachte zwei Söhne zur Welt. Schon bald wurde sie aber vom Ehemann verlassen. Er verliebte sich in eine andere Frau und verliess seine Frau, nahm die beiden Söhne Hristo und Asen mit. Von da waren die Söhne nur noch jedes zweite Wochenende bei ihr. Ihre finanzielle Situation zwang sie, wieder bei den Eltern zu wohnen. Sie hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Dann verschwand sie plötzlich von einem auf den anderen Tag.
Als sie nach mehreren Wochen wieder auftauchte, berichtete sie darüber, dass sie in der Schweiz gewesen sei und in einem Café gearbeitet habe.
Vorgeschlagen wurde ihr diese Arbeit in der Schweiz von Mehmet. Wie zu erwarten war, wurde es nicht eine Beschäftigung in einem Café sondern ein Job in der Prostitution in Luzern. Zu diesem Zeitpunkt war Emiliya 30 Jahre alt. Es ist auch anzunehmen, dass sie für die Reise in die Schweiz kein Geld hatte. Mehmet wird ihr das Geld wohl «geliehen» haben. Damit war das Abhängigkeitsverhältnis besiegelt. Es folgte Manipulation und Druck. Er entpuppte sich nicht als Freund, sondern als Zuhälter. Einen Ausweg schien unmöglich, den Job wollte sie nicht. Letztendlich arbeitete Emilia regelmässig auf dem Strassenstrich am Stadtrand von Luzern im Industriequartier Ibach nahe Emmenbrücke.
Emiliya Emilova (36†) wollte aufhören als Prostituierte zu arbeiten. Sie ahnte wohl, dass ihr Geld, welches sie Mehmet schickte, nicht ihren Wünschen entsprechend investiert wurde. So sagten Kolleginnen aus, dass Emiliya Emilova (36†) aussteigen und die Schweiz verlassen wollte. Irgendwie muss Mehmet aber davon erfahren haben, möglicherweise hat eine Kollegin sie verraten. Nach Aussagen der Familie wurden sie ab diesem Zeitpunkt massiv von Mehmet bedroht. Von da an hatte Emiliya Emilova (36†) grosse Angst, welche vor ihrem Tod ca. ein Jahr andauerte.
Ihr Gedanken kreierten von da an nur noch um die schwierigen Verhältnisse in Bulgarien und dem Willen, für die Söhne Geld für die Ausbildung zu beschaffen. Weiter dachte sie daran, für sich und ihre Söhne in Bulgarien eine Wohnung zu kaufen. Die Ermittlungsbehörden konnten feststellen, dass Emiliya Emilova (36†) ihr Geld immer an Mehmet nach Bulgarien schickte. Mehmet reiste nie in die Schweiz und kontrollierte Emiliya über das Handy. Alle paar Wochen tauchte Mehmet bei den Söhnen Hristo uns Asen auf, mittlerweile 12 und 15 Jahre alt, und überbrachte ihnen 100 oder 150 Euro. Diese lebten heute (22 und 25 Jahre alt, 2025) in Varna an der bulgarischen Schwarzmeerküste.
Es ist nicht anzunehmen, dass Mehmet je im Sinn hatte, Emiliya ausreichend an den Einnahmen zu beteiligen, damit sie zumindest die Möglichkeit gehabt hätte, sich und ihren Söhnen den Traum zu erfüllen. Allerdings behielt Mehmet das restliche Geld für sich zurück. Mit der Übergabe von Taschengeld an die Söhne konnte Mehmet die Lüge aufrechterhalten, Geld für eine Wohnung anzusparen. Hier dürfte ein ernstes Motiv zu finden sein, welches mehr und mehr zu Konflikten mit Mehmet geführt haben könnte bzw. sie stellte ihn diesbezüglich zur Rede. Offenbar scheint erstellt, dass Emiliya Emilova (36†) selbst kein Geld angespart hatte. Wohl schien sie auch unter starkem Druck zu stehen, sämtliche Einkünfte abzüglich den allgemeinen Lebenskosten abzuliefern. Es darf auch vermutet werden, dass Mehmet die Kontrolle von Emiliya Emilova (36†) in der Schweiz über Dritte organisierte, wohl dafür auch finanzielle Abgeltungen leisten musste.Zudem wird klar, dass Mehmet mehrere Frauen in die Schweiz brachte und zur Prostitution drängte bzw. sogar zwang und – wie bereits erwähnt – deren Familien auch bedrohte.
Mehmet war früh im Fokus der Ermittlungsbehörden, insbesondere die Kantonspolizei Luzern ermittelte wegen Menschenhandels und Zwangsprostitution. Auch die bulgarischen Strafverfolgungsbehörden in Varna ermittelten. Zunächst tauchte er aber unter und wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht. Schliesslich konnte er festgenommen und nach Bulgarien ausgeliefert werden. Was niemand erwartet hätte: Er wurde freigesprochen. Daraufhin tauchte er erneut unter, verliess umgehend Bulgarien. Seit 2016 bleibt ungeklärt, wo er sich aufhält. Quellen vermuten, dass er sich in Dubai aufhalten könnte.
Es stellt sich die Frage, ob nicht schon zum Zeitpunkt, als sich Mehmet wieder in Bulgarien befand und greifbar gewesen wäre, auch die Schweiz hätte einen internationalen Haftbefehl ausstellen sollen. Immerhin schienen genügend Hinweise darauf zu bestehen, dass er sich auch in der Schweiz hätte wegen Menschenhandels, Zwangsprostitution und ev. Erpressung verantworten müssen. So wäre zu vermuten, dass Bulgarien Mehmet nach dessen Freispruch sofort an die Schweiz ausgeliefert hätte. Denn es gab Aussagen einer weiteren Sexarbeiterin gegenüber dem Verein LISA*, welche Mehmet schwer belasteten und der Polizei auch zur Verfügung standen. Zudem wäre er zumindest ein wichtiger Zeuge oder gar als Verdächtiger an einem Auftragsmord im Fall Emiliya Emilova (36†). Es bleibt die Vermutung, dass die Schweizer Strafverfolgungsbehörden hier etwas verpasst haben.
*LISA: Den Verein gibt es seit 2013 und setzt sich für die Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeiter/innen ein. Ebenso gesundheitliche, rechtliche Themen spielen eine wichtige Rolle. Der Verein setzt sich auch für die gesellschaftliche Akzeptanz der Sexarbeit ein.
Es ist wie in anderen Fällen, welche sich im Milieu der Prostitution abspielen: Es ist äusserst schwierig an Informationen zu gelangen. Wie in anderen Fällen beschrieben, war die Situation für die Prostituierten angespannt und die den Ermittlern wurden vermutlich Informationen vorenthalten. In diesem Fall ist es anders. Die Prostituierten vom Strassenstrich im Industriequartier Ibach scheinen sehr aufmerksam gewesen zu sein und haben offensichtlich auch aufeinander geachtet, zumindest teilweise.
Da das Opfer im Kanton Nidwalden aufgefunden wurde, liegt die Fallführung bei den Nidwaldner Untersuchungsbehörden. Der Kanton Luzern wurde in die Ermittlungen eingebunden, weil Emiliya Emilova (36†) in Luzern als vermisst gemeldet wurde.
Nach dem Eingang der Meldung eines Spaziergängers am 21. September 2014 gegen 9:15 Uhr, dann wurden die Beamten der Kantonspolizei Nidwalden tätig und zogen auch die Wasserschutzpolizei Zürich hinzu. Die Umgebung am Fundort wurde mehrfach nach Spuren abgesucht.
Die Befragung der Arbeitskolleginnen am Strassenstrich Ibach ergaben die bisher eingeführten Erkenntnisse. Zudem wurde Emiliya Emilova (36†) als erfahrene Prostituierte beschrieben. Sie und ihre Arbeitskolleginnen achteten so weit wie möglich aufeinander. Dieser Umsicht ist es zu verdanken, dass Emiliya Emilova (36†) bereits in der Nacht als vermisst gemeldet wurde und somit die Identität der aufgefundenen Leiche schnell geklärt werden konnte, obwohl keine persönlichen Gegenstände gefunden wurden, die eine Identifizierung ermöglichten. Die Befragungen ergaben denn auch sehr genaue Hinweise darauf, wie das Opfer in dieser Nacht gekleidet war und was das Opfer bei sich hatte. Da das Opfer keine Oberkleidung trug und auch sonst keine Gegenstände gesichert werden konnten, fehlt bis heute jeglicher Hinweis auf den Verbleib:
Abb. 10: Silberner Ohrring des Opfers, Durchmesser: etwa 1,4 cm, Bild: Kantonspolizei Nidwalden
Schade ist, dass keine genaueren Beschreibungen über die roten Schuhe (Model, Aussehen), die Damenhandtasche (Farbe, Grösse, Muster) und das Handy (Marke) veröffentlicht wurden. Immerhin könnten die Gegenstände irgendwo zum Verkauf angeboten bzw. verschenkt worden sein.
Einzig vom Ring gibt es ein Bild. Es handelt sich wohl um das Gegenstück jenes Ohrringes, den sich noch trug.
Der Zeugenaufruf der Staatsanwaltschaft Nidwalden über die Medien, brachte Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Daraus ergaben sich Anhaltspunkte, dass es in den frühen Morgenstunden zwischen 2:00 Uhr und 6:00 Uhr in Bereich des Denners (Handelskette) und der Kirche Stansstaad zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen gekommen war. Dieses Ereignis könnte mit der Tat in Zusammenhang stehen. Meine persönliche Meinung ist aber geht aber eher dahin, dass dieses Ereignis nichts mit dem Mordfall zu tun hat. Dabei muss zudem beachtet werden, dass es sich um die Nacht von Samstag auf Sonntag handelte, also durchaus solche Vorkommnisse – Auseinandersetzungen unter Alkoholeinfluss – nicht ungewöhnlich erscheinen. Auf ein konkretes Fest in Stansstaad selbst an diesem Wochenende konnte ich bisher keine Angaben finden. Gesichert ist nur ein Oktoberfest im regionalen Einkaufszentrum Luzern-Tribschen. Immerhin bleibt die Möglichkeit, dass diesen Personen vielleicht ein verdächtiges Fahrzeug aufgefallen ist.
Abb. 11: Übersichtskarte mit rot eingekreistem Einkaufszentrum Luzern-Tribschen
Zudem wurde ein schwarzer Poncho, den das Opfer in der Nacht trug, in Luzern im Bereich der Ibachstrasse bei einem Hydranten (Abb. 14) gefunden. Allerding muss vermutet werden, dass allfällige Fremd-DNA-Spuren am Poncho kaum Hinweise erbringen würden, da das Opfer bekanntlich mehrere Kontakte zu Freiern in dieser Nacht gehabt haben soll. Diese Spuren könnten nicht beweisen, ob eine Person mit der Tat in Verbindung gestanden haben könnte.
Abb. 12: Übersicht Situation «letzter mutmasslicher Aufenthaltsort» / «Fundort Poncho» (rote Markierungen)
Abb. 13: Kartenausschnitt Region Krematorium Ibachstrasse, Luzern
Für die schnellste Route vom Industriegebiet Ibach (Reusseggstrasse) zur Ibachstrasse gilt für die Waldstrasse ein Fahrverbot (rotes X). Dieses muss den Fahrer des Autos nicht unbedingt interessiert haben. Die Strasse scheint befahrbar mit Beobachtern ist nicht zu rechnen. Gehen wir aber von der schnellstmöglichen und unauffälligsten Route über die Hauptstrasse aus.
Auf Google Maps habe ich die Ibachstrasse «abgefahren». Ich konnte nur einen einzigen Hydranten an dieser Strasse ausmachen. Ein glücklicher Aspekt, dass Google Maps diese Sackgasse überhaupt befahren hat. Dieser steht bei einem Parkfeld hinter dem Krematorium. In der Nacht ein idealer Standort. Die Strasse darf befahren werden und liegt sehr geschützt.
Dies ein weiterer Hinweis auf gute Ortskenntnisse des Täters bzw. der Täterschaft. Allerdings ist eher rätselhaft, dass akribisch auf das Hinterlassen von Spuren geachtet wurde, der Poncho aber zurückgelassen wurde. Natürlich könnte es sich hier um den Tatort handeln. Das ist aber nur eine Hypothese. Offensichtlich konnten an diesem Ort keine weiteren Spuren gesichert werden. Zudem müsste dies bedeuten, dass die Auseinandersetzung beim Denner bzw. Nähe Kirche Stansstaad nichts mit der Tat zu tun hatte. Leider meldete sich aber aus dieser mutmasslichen Gruppe niemand bei der Polizei, um die Umstände zu klären.
Abb. 14: Hydrant an der Ibachstrasse, mutmasslicher Fundort des Ponchos
Abb. 15: Sicht vom Parkplatz zum Krematorium
Abb. 16: Übersicht/Orientierungshilfe zu Abb. 14
Abb. 17: Anfahrt von Industriebgebiet Ibach zum Fundort des Panchos, Teilroute bis Abzweigung Ibachstrasse
Abb. 18: Letzter Strassenabschnitt, nach Google Maps ca. 350 m in 2 Minuten
Somit kommt nach Google Maps eine gesamte Fahrzeit von ca. 7 - 9 Minuten in Frage. Dies geht aber nur mit guten Ortskenntnissen oder einem Navigationsgerät. Letzteres wäre wohl gefährlich, da zu vermuten wäre, dass eine Claster-Analyse (Analyse der Bewegungen in einer massgebenden Funkzelle) möglicherweise Handy-Daten verfügbar gemacht hätte.
Wo die Tötung effektiv stattfand, ist nicht ermittelt. Der Standort Parkplatz Krematorium könnte aber trotz fehlender weiterer Hinweise vor Ort in Frage kommen. Immerhin bildet das Auffinden des Ponchos einen sehr starken Hinweis, zumal bisher andere Standorte nicht ausgemacht werden konnten (durch das Auffinden weiterer Gegenstände oder Hinweise aus der Bevölkerung).
Aus den Befragungen der Kolleginnen ergab sich, dass zwei Männer am Strassenstrich aufgefallen sind. Dies kann nur bedeuten, dass diese beiden Männer vor und nach der Tat nicht regelmässig an besagtem Strassenstrich verkehrten. Leider konnten diese beiden Männer bis heute nicht ermittelt werden bzw. sie haben sich nicht auf die Aufrufe hin gemeldet. Da auch hier die Unschuldsvermutung zu gelten hat, müssen diese Männer nicht mit der Tat in Zusammenhang stehen, könnten aber möglicherweise wichtige Beobachtungen beim Strassenstrich gemacht haben.
Die damaligen (2014) Angaben zum Signalement
Gesuchte Person 1:
Abb. 19: Phantombilder Person 1, Kantonspolizei NW (links), Erich Mestriner (rechts)
Gesuchte Person 2:
Abb. 20: Phantombilder Person 2, Kantonspolizei NW (links), Erich Mestriner (rechts)
Natürlich könnten diese beiden Männer auch in Frage kommen, im Auftrag von Mehmet Emiliya Emilova (36†) getötet zu haben. Mehmet hätte ein sehr starkes Motiv sie loszuwerden. Nicht nur, dass sie aussteigen wollte, sondern auch gegen ihn aussagen könnte. Dies bedeutet insbesondere, dass ein Exempel hätte statuiert werden sollen, dass die Sexarbeiterinnen nicht so einfach nach eigenem Willen aussteigen können. Die Konsequenzen eines Ausstieges mussten sichtbar gemacht werden. Da Mehmet ihr Zuhälter war, könnte er den Auftrag zur Ermordung von Emiliya Emilova (36†) veranlasst haben. Dies bereits aus dem Grund, dass sich einige Sexarbeiterinnen zu einer Gruppe zusammenschloss, die nicht mehr einfach alles akzeptieren wollte. Dass sich eine dieser Frauen durch den Verrat an Mehmet naiverweise Vorteile erhoffte, ist nur folgerichtig.
Dass zu diesem «Gespann» bisher keine Erkenntnisse vorliegen verwundert nicht. Aus dem Milieu sind wohl kaum Informationen zu erwarten. Immerhin könnten diese in anderen Kantonen genauso in Hotspots der Prostitution verkehrt und im Auftrag von im Ausland befindlichen Zuhältern agiert haben.
Ich habe durch ChatGPT nochmals neue Phantombilder erstellen lassen und entsprechend auch die Alterung berücksichtigt. Somit könnten die gesuchten Personen 2025 so aussehen:
Abb. 21: Phantombilder Person 1, (ChatGPT, 2025)
Abb. 22: Phantombild Person 2 (ChatGPT, 2025)
Auch hier möchte ich darauf hinweisen, dass Ähnlichkeiten mit unbeteiligten Personen bestehen könnten. Es müssen Kontakte ins Milieu der Prostitution bestehen. Daher bitte ich um vorsichtigen Umgang mit diesen Bildern. Ob dieses «Gespann» auch heute noch zusammen unterwegs ist, darf bezweifelt aber nicht ausgeschlossen werden. Vielleicht befinden sie sich sogar nach wie vor im europäischen Raum. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Sollte es aber tatsächlich die Tat des letzten Freiers gewesen sein, ist wichtig in Erfahrung zu bringen, ob ein Mann am Strassenstrich regelmässig verkehrte, nach der Tat aber nicht mehr dort verkehrte bzw. erst viel später wieder auftauchte und Fragen zum Mordfall stellte, um in Erfahrung zu bringen, was die Polizei dort in Erfahrung gebracht haben könnte bzw. wie die diese vorgegangen ist. Zudem wäre wichtig zu wissen, ob eine Sexarbeiterin vor oder auch nach der Tat von einem Freier zum Krematorium gefahren wurde, um dort Sex zu haben.
Klar festgestellt werden konnte, dass das Opfer mit blossen Händen erwürgt wurde.
Die Untersuchungen ergaben zudem, dass die Leiche noch nicht allzu lange im See getrieben haben konnte, da die Körpertemperatur noch über jener des Seewassers lag. Allerdings wissen wir nicht, welche Temperatur das Seewasser hatte und um wie viele Grade pro Stunde die Körpertemperatur zur Vergleichstemperatur abnimmt. Dabei spielt auch das Gewicht der Person eine Rolle. Es sind einige Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt. Dies ist für die Feststellung wichtig, ob die zeitlichen Verhältnisse für- oder dagegensprechen, dass die laute Auseinandersetzung beim Denner nähe Kirche Stansstaad etwas mit dem Mord zu tun haben könnte.
Über Hinweise von Abwehrverletzungen, insbesondere, ob dadurch auch der Täter hätte verletzt werden können, ist nichts bekannt.
Auch hier stellt sich die Frage, ob die Änderungen in der Gesetzgebung von 2023 den Fall weiterbringen könnten. Dies kann nur anhand der Akten beurteilt werden. Seit dieser neuen Gesetzgebung wird aber mehr und mehr öffentlich, dass Fälle aufgrund dieser neuen Gesetzgebung überprüft werden. So wurden schon herausragende Erfolge erzielt. Exemplarisch erwähnen möchte ich den Mord Zürich-Seebach/Doppelmord Laupen (gleicher Täter) und den «Joggeli-Parkplatz»-Mord in Muttenz. Dies zeigt deutlich, dass seit 2023 in den Kantonspolizeien vermehrt Spezial-Gruppen auf Cold Cases angesetzt werden. Im Ganzen befeuert dies die in der Schweiz laufende Diskussion, die Verjährung von Mord aufzuheben. Ob aber bislang verjährte Fälle nach einem neuen Gesetz nochmals aufgerollt werden könnten, müsste der Gesetzgeber festlegen. Mir ist aber kein Fall bekannt, bei dem der Mörder nach der Verjährung an die Öffentlichkeit gegangen wäre. Hier würde sich dann konkret die Frage stellen, ob sich dieser nun doch noch für die Tat zu verantworten hätte und weiter, ob ihm dann diese öffentliche Bekanntgabe als Geständnis positiv ausgelegt werden könnte.
Ein weiterer Aspekt: Sollte Emiliya Emilova (36†) tatsächlich beim Krematorium Ibachstrasse getötet worden sein, muss man für das Verbringen der Leiche an den Ablageort mit einem Auto ca. 23 Minuten (ohne Autobahn) bzw. ca. 18 Minuten (mit Autobahnabschnitten) rechnen. Auch in dieser Zeit nimmt die Körpertemperatur der Leiche ab.
Ob nun die zeitlichen Verhältnisse eher dafürsprechen, dass der mögliche Tatort eher beim Krematorium oder doch eher erst in der Umgebung Stansstaad zu verorten ist, müsste nochmals kriminaltechnisch genaustens überprüft werden. Die Ergebnisse könnten dazu geeignet sein den einen oder anderen mögliche Tatort auszuschliessen oder gar einen weiteren, bisher nicht beachteten Tatort, ins Spiel zu bringen.
Würde man also aus den Erkenntnissen Radien bilden und würden sich diese überschneiden, hätte man ggf. Schnittpunkte in deren Umgebung weitere mögliche «geeignete» Tatorte liegen könnten. Das wäre dahingehend wichtig, weil nach wie vor die Kleider und die Handtasche nicht gefunden werden konnten. Vielleicht liegen diese noch irgendwo unentdeckt.
Auf der Website von Interpol kann man keinen internationalen Haftbefehl der Schweizer Ermittlungsbehörden für «Mehmet» finden. Auch nicht, wenn man nur nach den Filterkriterien «Alter», «Bulgarien» und «Schweiz» sucht. Das verwundert insofern, dass dies nur bedeuten kann, dass keine gerichtsfesten Beweise für Menschenhandel und Zwangsprostitution in der Schweiz bestehen, was ich mir fast nicht vorstellen kann.
Zudem müssten die ungarischen Untersuchungsbehörden über wichtige Erkenntnisse verfügen: Fingerabdrücke, DNA-Profil bzw. DNA-Spuren für neue Analysen von Mehmet. Was aber in diese Richtung unternommen wurde, sich in Bearbeitung befindet oder geplant ist, wurde nicht öffentlich gemacht. Dazu bräuchte es vermutlich aber einen internationalen Haftbefehl.
Da bisher keine verwertbaren Hinweise auf die Täterschaft bestehen, wurde der Fall Emiliya Emilova (36†) erneut aufgegriffen und am 26. März 2025 nochmals in der Sendung vorgestellt. Dass die Ermittlungen nach wie vor in alle Richtungen laufen, ist nur folgerichtig. Die wichtigsten Hinweise zu den gesuchten Personen oder neuer Untersuchungsansätze erbringt die Sendung nicht.
© SRF, 25.03.2022, 7 Minuten: Nach über 20 Jahren zeigt SRF wieder eine Folge von «Aktenzeichen XY… Ungelöst». Die Kantonspolizei Nidwalden will mit Hilfe der Fahndungssendung den Mord an einer Prostituierten aus dem Jahr 2014 aufklären.
© SRF, 31.03.2025, 23 Minuten, 32 Sekunden: Mit Hilfe der TV-Sendung «Aktenzeichen XY» will die Nidwaldner Polizei einen 10 Jahre alten Cold Case lösen. Der Chef der Nidwaldner Kantonspolizei Senad Sakic präsentierte den Mordfall vor einem Millionenpublikum. Die Ermittlungsbehörden sind überzeugt, dass dieser Aufruf helfen kann, endlich den Mörder der damals 36-jährigen Mutter von zwei Kinder zu finden. Was ist seit dem Aufruf in der vergangenen Woche passiert und warum liegt den Ermittelnden der Fall so am Herzen. Der Nidwaldner Kripochef und der zuständige Staatsanwalt geben Auskunft, heute live im «TalkTäglich».
Nach den Analysen bleiben die beiden Szenarien Einzeltäterschaft eines Freiers oder Auftragsmord als wesentlichste Hypothesen bestehen. Wiederum schon aus der Tatsache, dass es keinerlei weitere plausibilisierte Hypothesen gibt. Dies hindert die Untersuchungsbehörden aber nicht daran, weiterhin in alle Richtungen zu ermitteln. Zu hoffen bleibt, dass es nach so langer Zeit doch noch möglich wird, dass jemand sein Schweigen bricht und sich bei der Polizei meldet. Dies ist aus dem Milieu heraus vorstellbar.
Wer Informationen zu diesem Fall hat, wird gebeten, sich bei der Kantonspolizei Nidwalden unter der Rufnummer 041 618 44 66 melden.
Für Hinweise aus Deutschland steht das Bundeskriminalamt Wiesbaden unter der Telefonnummer 0611 / 551 81 40 zur Verfügung.
Eine Belohnung von CHF 10'000.- für Hinweise, die zur Täterschaft ist weiterhin ausgelobt.
Hinweise geben: Wenn Sie Informationen zu diesem Fall haben, nutzen Sie bitte das
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